KULTURPREIS EUROPA 2017 geht an den Komponisten Somtow Sucharitkul nach Bangkok

Beethovens 9. Sinfonie wird bei der feierlichen Überreichung am 18. Dezember im Thailand Culture Centre erklingen. Der Preisträger steht persönlich am Dirigentenpult.

BildDer 1952 in Bangkok geborene thailändische Diplomatensohn Somtow Sucharitkul verbrachte die meiste Zeit seines Lebens im Ausland. Die Musiklaufbahn startete er in den 70ern mit dem Versuch, thailändische und westliche, postmoderne Musik in bis dahin ungewohnten avantgardistischen Klangkompositionen in Thailand (auch mit Hilfe des damaligen Leiters des Goethe-Instituts) zu etablieren. Heftige Abwehrreaktionen seiner Landsleute setzten ihm psychologisch derart zu, dass er mit einem frühen Burnout in die USA auswanderte. Ursprünglich als Therapie gedacht, begann er, sehr erfolgreich Science-Fiction-Romane in englischer Sprache zu schreiben.

Während der 20jährigen Abwesenheit des Schriftstellers von Thailand war die Musik doch noch ein Teil Somtows geblieben. Diesmal jedoch stand seine Vorliebe für neo-romantische Kompositionen im Vordergrund. „Die Zeit eines revolutionären Post-Stockhausen wandelte sich sukzessive in eine Liebe zu neo-romantischen Kompositionen und Werken“, so der Künstler. Es entstanden Mischgebilde oder Crossover zwischen westlichen und thailändischen musikalischen Elementen, ohne dass er sich schuldig fühlen musste. Es erleichterte seine Arbeit ungemein. „Ich komponiere auf der Basis meines ethnischen Ursprungs und schaffe eine Verbindung zwischen Ost und West. Meine Wurzeln liegen in Asien, die Art und Weise der Umsetzung im Amerikanischen oder Westlichen“, so Somtow weiter.

Das Opernhaus in Houston Texas beauftragte ihn 2000 mit dem Schreiben einer zeitgenössischen Oper, aber es sollte etwas Indisches sein, spielbar in den Dimensionen eines kleinen Hauses. So entstand die Idee, sich mit der attraktiven Story des „Schweigenden Prinzen“ aus den letzten 10 Leben des Buddha auseinander zu setzen. Die Premiere von „Temiya, The Silent Prince“ brachte den Erfolg auf dem neuen Feld zum Tragen. Die erste Oper aus einer Historie von 10 Geschichten war geboren und wurde 2012 in Bangkok frenetisch gefeiert, gleich der Rückkehr eines verlorenen Sohns. Thailändische und westliche Klänge verwoben zu einem Klangteppich aus althergebrachten südostasiatischen Tongebilden, gesäumt von neo-romantischen Klängen westlicher Tonalität in Orchester- und Gesangsarrangements. Sopran, Bass und Countertenöre (amerikanische und thailändische Solisten) erreichten das Ohr der Besucher beider Welten, getragen von einem großen Sinfonie-Orchester aus Bangkok mit Konzertmeister aus Europa. Der Komponist schaffte Klangwelten, in denen sich die Unterschiede dieser Welten zu einem neuen Musikerleben vereinten. Die Thai-Oper schien geboren.

Es folgte seine alte Idee des zweiten Buddha Lebens, Mahajanaka, eine Ballettkantate oder Ballettoper, umgesetzt und überraschte die Besucher nicht nur mit besagten Klangerlebnissen, sondern auch mit einem Ballett, beheimatet auf eben denselben beiden Säulen, dann 2015 „Sama – The Faithful Son“ in gleicher, erfolgreicher Struktur.
Dazwischen schaffte er im Regierungsauftrag der nordischen EU-Staaten den Song Zyklus „Before Dawn“ aus Anlass des 100. Geburtstags des Nobelpreises, ebenso auf Anfrage der thailändischen Regierung ein Requiem „In Memoriam 9/11“, den Toten der Tragödie von New York gewidmet.

„Dan no Ura“, japanisch inspiriert, und die Fantasy Oper „The Snow Dragon“, bescherten ihm von einem englischen Kritiker das Lob des interessantesten Komponisten moderner Oper ein, den es allerdings in den kommenden Jahren zu festigen gilt. Vielleicht trägt dazu der 10-Opern-Zyklus „DasJati – The Ten Lives of Buddha“ bei, der – sobald vollendet- der Welt größtes Musikdrama in der Geschichte ausmachen wird. Bald nun soll nun der siebte Teil, eine Kammerproduktion, aufgeführt werden, (Buddha als Wegweiser und Ratgeber am Hof seines Vaters, wenn er nur seinen Sohn opfert, eine Art buddhistischer Version des Idomeneo).

Sucharitkul dirigierte in Bangkok den kompletten Mahler Zyklus, ebenso wie die allerersten Wagner Opern (Rheingold, Walküre und Holländer) in dieser asiatischen Region, was ihm das Goldene „W“ der Wagner-Gesellschaft einbrachte. Dazu internationale und Thai-Sängerinnen und -Sänger im Gegensatz zu anderen asiatischen Ländern, die stets eine Komplett-Besetzung importieren. Ein echtes Thai-Wagner-Erleben, ein musikalischer Brückenschlag zwischen Ost und West, Wagner ist up to date in Thailand; es geht um Intrige und Korruption; Wagners Ring wird in Bangkok sehr gut verstanden.

Somtow wagte sich ein weiteres Mal auf ein neues Feld. Er eröffnete Thailand die Welt der Oper als eine Brücke zwischen Europa und Thailand und dem Kulturtourismus eine neue intellektuelle Dimension von Erleben, ein Zentrum für eine Pilgerreise der anderen Art. Musikfreunde und Buddhisten aus aller Welt, so heißen die neuen Zielgruppen.

Für seine Verdienste als Kulturbotschafter zwischen Ost und West hat das KulturForum Europa dem Komponisten, Dirigenten und Schriftsteller Somtow Sucharitkul den KulturPreis Europa 2017 zugesprochen. Die Ehrung wird in Bangkok im Rahmen eines Konzerts am Internationalen Tag der Migranten stattfinden. Der Preisträger darf dann eine kostbare Schale aus „Europas erstem Porzellan“ von 1710 mit nach Hause nehmen. „Europa auf dem Stier“ ziert das Porzellankunstwerk von MEISSEN®, das nach einem Entwurf von 1930 erstmalig und exklusiv für die Auszeichnung KulturPreis Europa gefertigt wurde.

Der KulturPreis Europa wird seit 1993 vom KulturForum Europa e.V. mit Verwaltungssitz in Vettweiß b. Düren vergeben. In der Reihe illusterer Preisträger (u.a. Johannes Rau, Hans-Dietrich Genscher, Music Biennale Zagreb, European Broadcasting Union (EBU) Eurovision, Fernsehsender 3Sat) erhielten in den vergangenen 25 Jahren drei Komponisten diese Auszeichnung. Nach Prof. Milko Kelemen und Hans Werner Henze folgte in diesem Jahr der Thai/US Bürger Somtow Sucharitkul.

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